OpenGLAM Projekt des Monats: Pelagios

OpenGLAM steht für freien und offenen Zugang zu Daten aus kulturellen Institutionen. Auch in Österreich beschäftigen sich mittlerweile mehrere Projekte mit diesem Thema und zeigen welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben. Mit der Reihe “OpenGLAM Projekt des Monats” möchte ich diese Entwicklung aufgreifen und laufende Projekte präsentieren.

Beginnen möchte ich mit dem Pelagios Projekt zu dem ich Rainer Simon – Scientist am AIT – einige kurze Fragen gestellt habe.

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Worum geht es in Pelagios?

Pelagios ist ein Community-Projekt mit dem Ziel Forschungsdaten aus dem Gebiet der Altertumswissenschaften online zu vernetzen. Text-, Bild- und Inschriftensammlungen, Datenbanken archäologischer Fundstücke, wissenschaftliche Fachpublikationen, digitale Personenverzeichnissen: mit seinen inzwischen mehr als 30 Partnern deckt Pelagios bereits jetzt ein breites Spektrum an relevanten digitalen Inhalten über die Welt der Antike ab.

Wie funktioniert Pelagios?

Das Verknüpfungskriterium, über das Pelagios die Verbindungen zwischen diesen vielfältigen und technisch heterogenen Daten herstellt ist die Geographie. Alle Pelagios-Partner verwenden ein gemeinsames System, um Ortsangaben in ihren Daten zu codieren. Grundlage für das System bildet ein sogenannter Gazetteer, ein Ortsverzeichnis, das jedem Ort eine eindeutige Identifikation zuordnet. Da sich in Pelagios alles um die Antike dreht, handelt es sich naturgemäß um einen Gazetteer speziell für antike Orte; und da Pelagios auf den Prinzipen von Linked Data aufbaut, um einen URI-Gazetteer, der als Identifikatoren dereferenzierbare HTTP URIs bereitstellt: den Pleiades Gazetteer of the Ancient World, der vom Institute for the Study of the Ancient World der New York University betrieben wird.

Was bzw. wem nützt Pelagios?

Unsere Partner exportieren ihre URL-basierten Ortsangaben als zusätzliche Metadaten, und stellen sie (typischerweise auf ihren eigenen Projekt- oder Instituts-Webseiten) unter verschiedenen Creative Commons Lizenzen als Linked Open Data bereit. Darüber hinaus betreiben wir im Rahmen des Projekts auch eine Datenbank, die die Ortsreferenzen aller Partner aggregiert, und eine zentrale Suche und Kartendarstellung, sowie eine HTTP API bereitstellt. Die Veröffentlichung als Open Data ist sowohl für Forscher als auch für die breitere Öffentlichkeit interessant:

  • User können einfach alle relevanten Daten zu einem bestimmten Ort abrufen.
  • Vice versa lassen sich problemlos zu einem bestimmten Korpus alle relevanten Orte finden – z.B. der “geographische Fußabdruck” einer archäologischen Sammlung oder der Ortsreferenzen in einem Textcorpus.
  • Über die Verteilung der Ortsreferenzen lassen sich Datensets mit ähnlicher geographischer Verteilung aufspüren – Daten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit relevant füreinander sind.
  • Darüber hinaus lassen sich Bezüge zwischen Orten erkunden: wenn Orte in Pelagios oft im selben Kontext auftauchen (z.B. in der selben Forschungspublikation, auf der selben Seite eines Buches, oder innerhalb der selben Museumskollektion), kann das ein Hinweis auf eine historische Verbindung sein.

Nicht minder wichtig ist dabei auch der Nutzen für die Partner selbst. Durch ihre Teilnahme an Pelagios werden ihre Daten besser auffindbar. Insbesondere für den “Long Tail” der zahlreichen kleinen, oft sehr spezialisierten, und der breiten Öffentlichkeit häufig unbekannten Altertumsprojekte stellt dies oft einen erheblichen Mehrwert dar.

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(Live Heatmap)

Wie sehen eure nächsten Schritte aus?

Pelagios startete vor kurzem in seine 3. Förderphase, die von der Andrew W. Mellon Foundation finanziert wird. Neben der Fortführung des Community-Aspekts wird Pelagios in dieser 2-jährigen Phase (September 2013 – August 2015) seine “Abdeckung” sowohl in geographischer als auch zeitlicher Hinsicht ausweiten. Die zeitliche Bandbreite wird von der Antike bis zum Jahr 1492 reichen, und Material aus weiteren geographischen Regionen – insbesondere dem Nahen Osten und China – wird in das Pelagios-Netzwerk integriert werden.

Wie beurteilst du die aktuellen Entwicklungen rund um OpenGLAM?

Pelagios kann sich glücklich schätzen, mit Partnern zu arbeiten die der Idee von Open Data und Open Access gegenüber sehr aufgeschlossen sind – eine Einstellung die sich bekannterweise noch nicht in der ganzen GLAM-Szene durchgesetzt hat. Zweifellos hat auch unser Ansatz, ausschließlich die Ortsmetadaten (und nicht notwendigerweise die gesamten Kollektionsmetadaten) separat als Linked Open Data bereitzustellen, geholfen, die Skepsis zu überwinden. Anwendbar wäre der gleiche Ansatz selbstverständlich auch für weitere “Ordnungkriterien”: Personen, Zeitepochen, Ereignisse. In jedem Fall illustriert das Modell Pelagios aber ganz deutlich, dass Metadaten zumindest teilweise – und über gemeinsame Referenzsysteme – frei verfügbar gemacht werden müssen, damit ein global navigierbares Daten-Netzwerk entsteht. Anderfalls bleiben die Daten unauffindbar im Silo – und das nützt letztendlich weder den Benutzern, noch den Institutionen.

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